Buchhaltungspflicht für Kurierdienste

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Ordnung ist das halbe Leben, auch in der Buchhaltung

Wenn sie sich als Kurierfahrer selbständig machen, müssen sie sich mit dem umfassenden Thema Buchführung auseinander setzen. Als Selbständiger unterliegen Sie der Buchhaltungspflicht.

Um dieser Buchhaltungspflicht nachzukommen können Sie einen Steuerberater beauftragen oder Sie erledigen die Erfassung der Geschäftsvorfälle selbst. Sollten Sie sich dafür entscheiden, die Buchhaltung selbst zu erledigen, erleichtert Ihnen eine Buchhaltungssoftware die Arbeit enorm. Aber mit der alleinigen Erfassung der Geschäftsvorfälle ist es nicht getan. Am Jahresende müssen Sie auch einen Jahresabschluss vorlegen. Wenn Sie sich das nicht zutrauen und dennoch Kosten sparen wollen, können Sie die Geschäftsvorfälle selbst erfassen und dann Ihre Daten an den Steuerberater weitergeben. Dieser erledigt dann den Jahresabschluss für Sie.


Doch wie viel Buchhaltung muss sein?

Einfache Buchhaltung

Wenn Ihr Jahresumsatz unter 17.500 Euro liegt ist es ausreichend, wenn Sie eine formlose Gewinnermittlung durch einfaches gegenüberstellen aller Einnahmen und Ausgaben erstellen. Dies nennt man auch einfache Buchhaltung.

Einnahmen-üerschuss-Rechnung (EüR)

Wenn Ihr Jahresumsatz über 17.500 Euro liegt müssen sie eine Einnahmen-üerschuss-Rechnung (EüR) erstellen. Hier listen sie alle Einnahmen und Ausgaben in einem amtlichen Formular auf.

Bei der EüR werden die Geschäftsvorfälle nach dem so genannten Zu und Abflussprinzip gebucht. Das heißt sie buchen erst Ihre Einnahmen und Ausgaben, wenn diese auf Ihrem Konto gutgeschrieben bzw. belastet sind.

Bilanzierung

Bis zum 31.12.2015

Wenn ihr Jahresumsatz über 500.000 Euro oder ihr Gewinn über 50.000 Euro liegt oder Sie Vollkaufmann im Sinne des §1 HB sind, müssen sie bilanzieren. Bei der Bilanzierung müssen sie nicht nur ihre Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellen, sondern auch ihre Verbindlichkeiten und Forderungen periodengerecht aufführen, sowie eine Eröffnungsbilanz und eine Schlussbilanz erstellen. Bei der Bilanzierung buchen sie ihre Geschäftsvorfälle periodengenau in das betreffende Wirtschaftsjahr.

Ab dem 01.01.2016

Zum 1.1.2016 trat eine Steueränderung in Kraft. Diese wurde bereits durch das Bürokratieabbaugesetz vom 28.7.2015 beschlossen. Die Buchführungsgrenzen wurden angehoben, so müssen Gewerbetreibende ab 2016 nur dann bilanzieren, wenn der Umsatz über 600.000 Euro im Jahr liegt oder wenn der Gewinn 60.000 Euro übersteigt. Wurden die alten Buchführungsgrenzen in den Vorjahren überschritten und das Finanzamt hat Sie deshalb zum 1.1.2016 zum Wechsel von der EüR zur Bilanzierung aufgefordert, können Sie einen Antrag auf Rücknahme der Aufforderung zur Bilanzierung aus Billigkeitsgründen stellen. Der Antrag muss den mit Hinweis zu § 148 Abgabenordnung enthalten, der diese Billigkeitsregelung vorsieht.

Was ist bei der Umsatzsteuer zu beachten?

Die Umsatzsteuer buchen sie, je nach dem ob sie Ist, oder Soll-Versteuerer sind.

Bei der Ist-Versteuerung zahlen sie die Umsatzsteuer erst wenn ihr Kunde die Rechnung bezahlt hat.

Bei der Soll-Versteuerung müssen sie die Umsatzsteuer zahlen, sobald sie die Rechnung erstellt haben.

Grundsätzlich sind sie Soll-Versteuerer.

Wenn ihr jährlicher Umsatz unter 500.000 Euro liegt, können sie die Ist-Versteuerung formlos bei ihrem Finanzamt beantragen. Die Vorsteuer kann bei der Soll und Ist-Versteuerung geltend gemacht werden, sobald sie eine ordnungsgemäße Rechnung erhalten haben.


Was müssen Kleinunternehmer bei der Umsatzsteuer beachten?

Kleinunternehmer sind Sie, wenn Ihr Umsatz im Vorjahr unter 17.500 Euro lag und Ihr Umsatz im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro nicht übersteigen wird. Kleinunternehmer weisen auf Ihren Ausgangsrechnungen keine Umsatzsteuer aus. Auf der Rechnung muss lediglich der Passus "Der Rechnungsbetrag enthält gemäß § 19 UStG keine Umsatzsteuer." aufgeführt werden. Die Kleinunternehmerregelung hat zwar den Vorteil, das Sie keine Umsatzsteuer ausweisen müssen, im Gegenzug dürfen Sie die Vorsteuer aus Eingangsrechnungen auch nicht geltend machen. Sie können freiwillig auf das Kleinunternehmer-Privileg verzichten. Dies macht durchaus Sinn, wenn Sie teure Anschaffungen tätigen wollen und dadurch in den Genuss des Vorsteuerabzugs kommen möchten. Allerdings müssen Sie sich für die nächsten fünf Jahre festlegen.

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